Turnierüberraschung Bluhm fordert im Halbfinale Titelverteidiger Benedikt Duda heraus

Die Finalisten im Mixed und alle Halbfinalisten im Einzel und Doppel stehen fest

Saarbrücken. Bei den 90. Nationalen Deutschen Meisterschaften der Damen und Herren hat sich am Samstag die Spreu vom Weizen getrennt. Im Einzel-Wettbewerb hat unter anderem Vorjahressieger Benedikt Duda das Halbfinale erreicht. Duda und sein Doppelpartner Dang Qiu sind die großen Favoriten auf den Einzel-Titel, nachdem der Weltranglistenneunte Dimitrij Ovtcharov vor dem Achtelfinale wegen einer Erkrankung aus dem Turnier ausstieg. Im Damen-Einzel ziehen die Favoritinnen Han Ying und Sabine Winter bislang souverän ihre Kreise.

Erkrankter Dimitrij Ovtcharov steigt aus dem Turnier aus

Nichts mehr mit dem Ausgang der Titelkämpfe zu tun hat Dimitrij Ovtcharov. Der Weltranglistenneunte, am Freitagabend bereits mit einem schweren Infekt in Saarbrücken angereist, stieg wegen anhaltender Probleme nach dem mit 4:1 gewonnenen Auftakteinzel gegen Moritz Spreckelsen (TSV Schwarzenbek) aus den Titelkämpfen aus und trat nicht mehr zum Achtelfinale an. Der an Position eins gesetzte Deutsche Meister des Jahres 2014 war nach seiner Aufgabe untröstlich und verabschiedete sich persönlich via Hallenmikrofon von den Zuschauern. “Ich bin von meinem zweiten Platz beim WTT Lima Contender bereits mit einer starken Erkältung zurückgekommen. Ich wollte aber unbedingt in Saarbrücken antreten und habe deswegen die weite Anreise auf mich genommen. Nach dem ersten Einzel merkte ich aber, dass es leider doch nicht geht. Ich fühle mich jetzt total schwach und auch etwas fiebrig. Ich will mit diesem starken Infekt einfach keine Verschlimmerung riskieren.”

Doppelpartner Duda und Qiu werden im Einzel zu Kontrahenten

Nach dem Ausscheiden des Topgesetzten sind nun Titelverteidiger Benedikt Duda und sein Herausforderer Dang Qiu die großen Favoriten. Der Bergneustädter Duda, der sich im Viertelfinale gegen Gerrit Engemann (Hamm) behauptete, gab bis zum Viertelfinale ebenso wie der Düsseldorfer Qiu keinen Satz ab. Im Halbfinale am Sonntag werden die Hürden jedoch wesentlich höher liegen als in den Runden zuvor. Der Weltranglisten-Zehnte Dang Qiu trifft auf den Deutschen Ex-Meister Steffen Mengel. Der Routinier stoppte im Viertelfinale den Anlauf des U19-Europameisters Kay Stumper und verhinderte dessen ersten Einzug in die Medaillenränge in sieben Sätzen. Himmelstürmer Qiu will gerne seinen ersten nationalen Einzel-Titel mit nach Hause nehmen: “Es wird nicht einfach gegen die starke Konkurrenz. Aber ich würde gerne in Saarbrücken Deutscher Meister werden.”

Im Viertelfinale besiegte Dang Qiu Tobias Hippler, der zuvor etwas kurios in das Viertelfinale eingezogen war. Im Duell der Linkshänder und Weltranglistennachbarn gegen Cedric Meissner wehrte Hippler nach einem 7:10-Rückstand zahlreiche weitere Matchbälle ab, bevor der Kölner beim Stand von 17:16 selbst die Chance zum Sieg nutzte. Bei 15:14 fehlten Meissner übrigens nur wenige Zentimeter zu einem Aufschlagass und damit dem Gesamtsieg, doch sein pfeilschnelles Service segelte um wenige Millimeter über den Tisch hinaus.

Nun muss Qiu am Sonntag im Halbfinale Steffen Mengel in Schach halten, der heute gegen Kay Stumper seine ganze Routine zeigte: “Kay hat losgelegt wie die Feuerwehr und mich überrolt. Ich habe mich dann nach und nach reingefuchst und hatte im sechsten Satz sogar zwei Matchbälle. Ich bin aber froh, dass dann der siebte Satz relativ glatt für mich ausgegangen ist. Morgen wird es ein schweres Match gegen Dang.”

Dang Qius Freund und Doppelpartner Benedikt Duda will den Meistertitel seines Kumpels unbedingt verhindern, denn der Linkshänder hat im Vorjahr Spaß am nationalen Triumph gefunden. Deshalb gibt er die eindeutige Prognose aus: “Ich will unbedingt noch einmal dieses unglaubliche Gefühl erleben, Deutscher Meister werden zu werden.” Der nächste Gegner Dudas ist allerdings nicht allein mit pfeilschnellen Bällen zu bezwingen, denn Überraschungs-Halbfinalist Florian Bluhm bevorzugt die Defensive.

Abwehrass Florian Bluhm vollkommen überraschend im Halbfinale

Dem Defensivstrategen Bluhm gelang erstmals den Sprung in das Einzel-Halbfinale. Die Basis für seinen Erfolg legte er im Achtelfinale, als er dem Vorjahresdritten und Weltranglisten-92. Fan Bo Meng ein Bein stellte. Die DM-Träume der Fuldaer Nachwuchshoffnung zerbarsten an dem schier unüberwindbaren Abwehr-Bollwerk, das Florian Bluhm aufzubauen verstand. Nach dem 11:9-Erfolg im siebten und entscheidenden Satz sank Bluhm jubelnd auf die Knie, wohlwissend, das sein Achtelfinalerfolg bereits die Eintrittskarte für das Halbfinale bedeutete. Denn der Zweitligaakteur des TTC GW Bad Hamm profitierte von der krankheitsbedingten Aufgabe Dimitrij Ovtcharovs und nutzte seine plötzliche Medaillenchance gegen den kampflos in das Viertelfinale eingezogenen Gegner des Weltranglistenneunten, Patrick Decker (Borsum) ohne Satzverlust. Bluhm selbst hatte nicht mit seinem Erfolg über Meng und dem Einzug in das Halbfinale gerechnet: “Gegen Fan Bo war es ein sehr knappes und sehr intensives Spiel. Der Sieg kam absolut überraschend für mich, auch wenn man immer an eine kleine Außenseiterchance glaubt. Anschließend habe ich die gute Auslsoung genutzt, obwohl man natürlich gegen Patrick Decker in einem Viertelfinale auch erst einmal gewinnen muss. Morgen werde ich versuchen, einfach das Halbfinale zu genießen und ein gutes Spiel gegen ‘Benne’ zu machen. Ob ich wirklich mithalten kann, wage ich zwar zu bezweifeln, werde aber alles geben und versuchen, ein schönes Spiel zu machen.”

Bei den Damen setzen sich die Favoritinnen durch

Erwartungsgemäß haben die Turnierfavoritinnen das Halbfinale der Titelkämpfe erreicht. Vollkommen ungefährdet blieb von der ersten Runde bis zum Viertelfinal-Duell mit Sophia Klee die Weltranglistensiebte Han Ying. Die in Düsseldorf lebende und für den polnischen Champions-League-Sieger Tarnobrzeg spielende Abwehrkünstlerin würde sich gerne zum zweiten Mal nach 2018 den Titel sichern. “Ich bin heiß darauf, in Saarbrücken zu gewinnen.” Im Halbfinale bekommt es die Europe-Top-16-Siegerin nun mit ihrer Nationalmannschaftskollegin Yuan Wan zu tun. Die Nummer 102 der Welt aus Kolbermoor, die in Saarbrücken von ihrem Freund, Schwedens Weltklassespieler Anton Källberg, gecoacht wird, geriet beim Kampf um den Einzug in die Vorschlussrunde aber kräftig ins Schwitzen und hatte sechs Sätze lang hartnäckigen Widerstand der Mixed-Meisterin des Vorjahres, Franziska Schreiner (Langstadt), zu brechen.

Sprung ins Halbfinale geschafft: Sabine Winter (Foto: Guido Schiefer) 

In der anderen Turnierhälfte kommt es nun zum Duell zwischen der an Position zwei gesetzten Weltranglisten-46. Sabine Winter und der seit Donnerstag 16 Jahre alten Annett Kaufmann. Die Europameisterin der Altersklassen U15 und U21 stellte ihre starke Form besonders im Viertelfinale mit einem 4:2-Erfolg über die Vorjahreszweite Chantal Mantz (Langstadt) unter Beweis. 2021 in Bremen hatte Kaufmann im Halbfinale noch gegen die U21-Europameisterin von 2017, Mantz, verloren und bejubelte nun ihren Sieg: “Ich freue mich riesig, dieses Mal gegen sie gewonnen zu haben. Das Spiel war jedoch viel enger, als es das Ergebnis vermuten lässt. Morgen gegen Sabine Winter genieße ich einfach die Atmosphäre im Halbfinale der Deutschen Meisterschaften und die Gelegenheit, einmal bei einem wichtigen Einzelturnier gegen sie antreten zu können.”

Wer das ehrgeizige Talent auch nur ein bisschen kennt, weiß jedoch, dass sie mit viel mehr liebäugelt als nur dem Genuss des Augenblicks. Die Mannschafts-Europameisterin der Damen des Vorjahres ist gegen ihre erfahrene Nationalmannschaftskollegin zwar nicht die Favoritin, aber alles andere als eine krasse Außenseiterin. Die Schwabhausenerin Sabine Winter musste im Viertelfinale gegen ihre Doppelpartnerin Tanja Krämer zwar einen Satz abgeben, gewann das Spiel aber am Ende ebenso verdient wie deutlich. Die 29-Jährige sagte nach dem Spiel: “Es ist bei Deutschen Meisterschaften ja nichts Neues, dass man im Einzel auch schon einmal gegen seine Doppelpartnerin spielen muss. Im Spiel waren wir Kontrahentinnen, nach dem Spiel sind wir aber wieder Doppelpartnerinnen mit dem gleichen Ziel, dem Titelgewinn.”

Ergebnisse (Auszug)
Damen-Einzel, Viertelfinale
Han Ying – Sophia Klee 4:0 (3,7,5,4)
Yuan Wan – Franziska Schreiner 4.2 (4,4,-9,2,-6,6)
Sabine Winter – Tanja Krämer 4:1 (6,-8,9,5,-6,8)
Annett Kaufmann – Chantal Mantz 4:2 (6,-8,9,5,-6,8)

Herren-Einzel, Viertelfinale
Benedikt Duda – Gerrit Engemann 4:0 (8,8,6,11)
Matthias Bluhm – Patrick Decker 4:0 (8,6,4,6)
Dang Qiu – Tobias Hippler 4:0 (3,6,6,8)
Steffen Mengel – Kay Stumper 4:3 (-4,6,-6,6,9,-11,4)

Die Spiele am Sonntag

10 Uhr: Damen-Doppel, Halbfinale
Tisch 1: Tanja Krämer/Sabine Winter – Annett Kaufmann/Franziska Schreiner
Tisch 2: Chantal Mantz/Yuan Wan – Anastasia Bondareva/Sophia Klee

10.40 Uhr: Herren-Doppel, Halbfinale
Tisch 1: Gerrit Engemann/Kirill Fadeev – Cedric Meissner/Benno Oehme
Tisch 2: Benedikt Duda/Dang Qiu – Matthias Danzer/Mike Hollo

11.20 Uhr: Damen-Einzel, Halbfinale
Tisch 1: Sabine Winter – Annett Kaufmann
Tisch 2: Ying Han – Yuan Wan

12.05 Uhr: Herren-Einzel, Halbfinale
Tisch 1: Benedikt Duda – Florian Bluhm
Tisch 2: Dang Qiu – Steffen Mengel

Ab 13.30 Uhr hintereinander, alle an Tisch 1
Mixed: Chantal Mantz/Fan Bo Meng – Yuan Wan/Cedric Meissner
Damen-Doppel
Herren-Doppel
Damen-Einzel
Herren-Einzel

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