Stumper und Meissner stellen den Topfavoriten im Achtelfinale ein Bein

Aus für Dang Qiu und Vorjahressieger Ricardo Walther

Bremen. Bei den 89. Deutschen Meisterschaften in Bremen stehen die Teilnehmer am Viertelfinale der Damen und Herren fest. Am ersten DM-Tag spielte sich der Nachwuchs mit starken Leistungen in den Vordergrund. Im Achtelfinale der Herren scheiterten unerwartet gleich zwei Titelaspiranten an hoffnungsvollen Talenten, bei den Damen erreichte eine 15-Jährige die Runde der besten Acht, die heute Abend um 19.20 Uhr ausgetragen wird.

Herren-Einzel: Stumper und Meissner sorgen für faustdicke Überraschungen

Fast punktgenau um 17 Uhr war die erste faustdicke Überraschung bei den Deutschen Meisterschaften perfekt. Der 18 Jahre alte amtierende Europameister Kay Stumper sorgte mit einem 4:1-Triumph über den an Position eins gesetzten Düsseldorfer Dang Qiu für einen echten Favoritensturz. Der Neu-Ulmer, zuletzt bereits in der TTBL beim Erfolg über Schwedens WM-Zeiten Mattias Falck in bestechender Form, blieb jedoch nach dem Erfolg über den Weltranglisten-54. mit beiden Beinen auf dem Boden: „Am Anfang war es ein Abtasten, denn Dang und ich hatten noch nie gegeneinander gespielt. Es läuft ganz gut bei mir und ich denke, ich konnte mein Grundniveau etwas steigerin. Aber ich mache mir auch keine großen Gedanken über eine Medaille. Ich bereite mich jetzt einfach erst einmal auf mein nächstes Spiel vor. Wenn ich so spiele wie gegen Dang kann ich sicherlich gegen alle, die noch im Turnier sind, gewinnen. Aber ich kann auch gegen jeden verlieren.“ Penholder-Ass Dang Qiu, der zuvor mit Titelgewinn geliebäugelt hatte, lobte seinen Gegner. „Kay spielt aktuell sehr, sehr gut. Ich selbst war heute leider von meiner guten Form sehr weit entfernt. Mir sind viele Bälle ins Netz gefallen, vor allem mit der Vorhand sind mir viele einfache Fehler unterlaufen. Vielleicht war meine Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften etwas kurz, aber es hilft nichts: Ich muss die Niederlage akzeptieren – es ist, wie es ist.“

Kaum eine halbe Stunde später musste dann auch Ricardo Walther seine Hoffnungen auf die Titelverteidigung begraben. Der Grünwettersbacher fand bei seiner 2:4-Niederlage kein ausreichend probates Mittel gegen die Wirkungskreise der Vorhand des 21 Jahre alten Cedric Meissner (Bad Homburger), der sich schon im Vorjahr in Chemnitz bei seinem Erfolg über den Weltranglisten-17. Patrick Franziska als Favoritenschreck entpuppt hatte. Der olympische Silbermedaillengewinner mit der Mannschaft erholt sich aktuell ebenso noch von den Tokio-Strapazen wie seine Teamkollegen Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll.

Außer Stumper und Meissner erreichten die Nummern 35 und 42 der Welt Ruwen Filus und Benedikt Duda, die Routiniers Bastian Steger und Steffen Mengel sowie zwei weitere U23-Talente, Fanbo Meng und Tobias Hippler, die Runde der besten Acht.

Damen-Einzel: Annett Kaufmann erstmals im Viertelfinale

Schülerinnen-Europameisterin Annett Kaufmann steht erstmals in ihrer jungen Karriere im Viertelfinale der Deutschen Meisterschaften. Die 15-jährige Bundesligaspielerin aus Böblingen setzte sich im Achtelfinale deutlich mit 4:0 gegen Sophia Klee (Weinheim) durch, nachdem sie zuvor das Duell der beiden jüngsten Spielerinnen in fünf Sätzen für sich entschieden hatte. Im Duell zweier Europameisterinnen bezwang Kaufmann die gleichaltrige Mia Griesel (Tostedt), mit der sie zusammen im Juli bei den Schülerinnen-Europameisterschaften in Varazdin Gold für Deutschland im Teamwettbewerb gewonnen hatte. Annett Kaufmann sagte anschließend: „Ich freue mich über den Sieg über Sophia. Das Spiel gegen Mia davor war taktisch schwierig, da wir uns gegenseitig sehr gut kennen. Wir sind am Tisch zwar Konkurrentinnen, außerhalb des Tisches aber Freundinnen.“

Bei den Damen blieben bislang allerdings Stürze der Titelaspirantinnen aus. Außer Kaufmann erreichten Titelverteidigerin Nina Mittelham, die topgesetzte Kristin Lang, Sabine Winter, Tanja Krämer, Franziska Schreiner, Chantal Mantz und Vivien Scholz das Viertelfinale.

Lachenmeyer mit unerwartetem Erfolg in Runde eins

Bei nationalen Titelkämpfen haben die Favoriten zumeist wenigstens in der ersten Runde noch relativ leichtes Spiel. Dass dies jedoch nicht immer so ist, bewies heute Lea Lachenmeyer. Das 16 Jahre alte Abwehrtalent aus Frickenhausen sorgte zumindest für einen kleinen Favoritensturz und besiegte die an Position sieben gesetzte Ex-Nationalspielerin Kathrin Mühlbach (Berlin) in sechs Sätzen, unterlag anschließend im Achtelfinale aber erwartungsgemäß Vivien Scholz aus Weil.

Bericht: Manfred Schillings

Foto: Guido Schiefer