Hübgen und Köhler komplettieren die Felder

Absolute Weltklasse geht am 25./26. Juni in Saarbrücken auf Titeljagd

Frankfurt. Zwei Jugendnationalspieler des DTTB haben sich bei der abschließenden regionalen Qualifikationsveranstaltung für die Deutschen Meisterschaften (25./26. Juni) in Saarbrücken die beiden noch zu vergebenden Plätze gesichert. Die erst 15 Jahre alte Saarländerin Magdalena Hübgen und der drei Jahre ältere Pfälzer Felix Köhler komplettieren die Felder mit jeweils 32 Damen und 32 Herren. Auf dem Siegerpodest des Turniers werden die beiden Talente in diesem Jahr wohl aller Wahrscheinlichkeit nach aber noch nicht erscheinen, denn in den Setzungslisten des Turniers dominiert die große Riege an prominenten Weltklassespielern die vorderen Plätze. Angeführt werden die Felder am letzten Juni-Wochenende in der Hermann-Neuberger-Sportschule vom olympischen Bronzemedaillengewinner Dimitrij Ovtcharov und der Weltranglistenachten Han Ying. Wer noch Karten bestellen will, sollte sich beeilen: Tickets gibt es auf der offiziellen Seite der Deutschen Meisterschaften www.tt-dm.de.

Weltklasse macht Jagd auf Meister Duda

Die beiden am höchsten im ITTF-Ranking eingestuften DTTB-Athleten nehmen zwar jeweils ihren zweiten Titelgewinn ins Visier, allerdings bekommen es die Europe-Top-16-Siegerin und der Weltranglistenneunte mit bärenstarker Konkurrenz zu tun. Einer der gefährlichsten Konkurrenten des topgesetzten Dimitrij Ovtcharov, der im Jahr 2014 den nationalen Titel gewann, ist selbst der Gejagte. Der Deutsche Meister und Weltranglisten-30. Benedikt Duda will nach seinem Triumph von Bremen 2021 seinen Jägern aus gutem Grund unbedingt ein Schnippchen schlagen. Der Bergneustädter verrät: „Deutscher Meister zu werden ist einfach etwas Besonderes! Der Moment des verwandelten Matchballes im DM-Finale 2021 in Bremen war etwas so Außergewöhnliches und ein so schönes Gefühl, dass ich dies unbedingt noch einmal erleben möchte.“ Die Titelverteidigung Dudas verhindern will pikanterweise auch dessen Doppelpartner Dang Qiu, der gemeinsam mit Duda im Doppel bei einem fünften Triumph in Folge eine neue Bestmarke aufstellen kann. Kein Spieler verbesserte sich in den vergangenen Jahren mit solcher Konstanz wie der Düsseldorfer. In diesem Jahr katapultierte er sich mit großartigen Leistungen sogar erstmals bis auf Rang 14 in der Welt und würde gerne erstmals Deutscher Meister werden. Qiu weiß aber auch: “Das wird angesichts der vielen Weltklassespieler, die am Start sind, nicht gerade einfach.“ Zu den weiteren Jägern von Meister Duda zählen drei junge Neuaufsteiger unter die Top 100 dieser Welt. Das hungrige Trio wird angeführt von dem auf Platz 49 aufgerückten Bad Königshofener Kilian Ort, als Nummer 85 der Welt folgt der Vorjahresdritte Fanbo Meng (Fulda-Maberzell), nur sechs Plätze dahinter ist U19-Europameister Kay Stumper (Neu-Ulm) notiert. Den beeindruckend großen Favoritenkreis erweitern außerdem gleich drei international hoch dekorierte Akteure, die sich allesamt bereits in die Siegerliste bei Deutschen Meisterschaften eintragen konnten: Der Titelträger von 2020 Ricardo Walther (Grünwettersbach), der Team-WM-Zweite Steffen Mengel (Mühlheim) und der ehemalige EM-Zweite Patrick Baum (Grenzau).

Wer kann ein Loch in die Mauer von Abwehrass Han reißen?

Bei den Damen ist die Deutsche Meisterin von 2018 die Gejagte. Die in Düsseldorf lebende und für den polnischen Champions-League-Sieger Tarnobrezg spielende Han Ying, die sich bislang einmal – 2018 in Berlin – mit dem nationalen Einzeltitel schmücken konnte, rückte in diesem Jahr durch ihren Triumph beim Europe Top 16 in Montreux und den Finaleinzug beim Doha Star Contender bis auf Position acht in der Weltrangliste vor. Die Defensivkünstlerin freut sich auf die Titelkämpfe: „Die Deutschen Meisterschaften haben ein sehr großes Prestige für jede Spielerin. Deutsche Meisterin zu werden, wird total schwer. Insbesondere meine Kolleginnen aus der Nationalmannschaft wissen, wie sich gegen mich zu spielen haben. Alle übrigen Medaillenanwärterinnen, mit Ausnahme der Altinternationalen Tanja Krämer (Langstadt), kommen ebenfalls aus dem engsten Kreis der Damen-Nationalmannschaft und träumen von ihrem ersten nationalen Einzeltitel. Die auf dem Papier schärfste Konkurrentin der Topfavoritin lebt wie Han in Düsseldorf und spielt für Schwabhausen. Die Weltranglisten-44. und Vorjahresdritte Sabine Winter würde nach bereits drei Endspielniederlagen gerne ihr erstes DM-Einzelfinale gewinnen: „Den deutschen Meistertitel möchte ich auf jeden einmal gewinnen! Ob es schon in Saarbrücken klappt, muss man mal sehen. Die Konkurrenz ist sehr stark, aber möglich ist es.“ Gleichzeitig kann die Bayerin einen Rekord knacken und sich mit sieben Siegen im Doppel-Wettbewerb, den sie diesmal mit Tanja Krämer bestreitet, vor Nicole Struse in der Bestenliste verewigen. Sabine Winter würde den Rekord zwar gerne mitnehmen, ausschlaggebend für ihre Motivation ist er aber nicht: „Den Titel zu gewinnen ist ganz unabhängig vom Rekord ein Ziel. Aber wenn er fällt, nehme ich ihn natürlich gerne mit.“ Jüngste aus dem Kreis der Favoritinnen ist die Böblinger Bundesligaspielerin Annett Kaufmann, die am 23. Juni ihren 16. Geburtstag feiert. Die Nummer 104 des ITTF-Rankings ist Europameisterin im Einzel der Altersklassen U15 und U21 und will wie bei ihrem dritten Platz im Vorjahr erneut auf das Siegerpodest. Von Edelmetall träumen außerdem die Vorjahresfinalistin Chantal Mantz (Langstadt) und Yuan Wan (Kolbermoor), die an den Positionen 110 und 115 der Weltrangliste notiert sind.

Talente Magdalena Hübner und Felix Köhler bereichern das Feld

Die beiden DTTB-Talente, denen als letzte am vergangenen Wochenende die Qualifikation für Saarbrücken gelang, bereichern das 32-köpfige Teilnehmerfeld, obwohl sie mit der Medaillenvergabe nichts zu tun haben werden. Die erst 15 Jahre alte Magdalena Hübgen ist eine der vielversprechenden deutschen Nachwuchshoffnungen und trug bereits mehrfach das DTTB-Trikot bei internationalen Veranstaltungen. Die in Sankt Wendel geborene Linkshänderin geht beim 1. FC Saarbrücken-TT erfolgreich auf Punktejagd und ist mir ihrer 23:7-Bilanz die Leistungsträgerin der Mannschaft. Die U15-DM-Dritte im Doppel, die die 9. Sportklasse des Gymnasiums am Rotenbühl in Saarbrücken besucht, nennt mittelfristig eine Teilnahme an den U19-Europameisterschaften als Ziel und hat schon jetzt klare Vorstellungen für die Zeit nach dem Abitur:  „Ich werde in den folgenden Jahren noch schauen, wie sich mein Tischtennis weiterentwickelt. Ich kann mir aber durchaus sehr gut vorstellen, die Profi-Laufbahn einzuschlagen und hätte auch große Lust dazu. Falls das jedoch nicht gelingt, würde ich alternativ gerne ‚International Business‘ studieren.“ Auch wenn sie als Lokalmatadorin bei den Deutschen Meisterschaften in Saarbrücken das Publikum hinter sich haben wird, Magdalena Hübgen weiß, dass sie gegen die hochkarätige Konkurrenz als krasse Außenseiterin an den Tisch gehen wird: „Ich hoffe einfach, dass ich bei der DM viele wertvolle Erfahrungen sammeln und viel dazu lernen kann.“

Der 18 Jahre alte Felix Köhler, der für die Pfalz an den Start geht, ist  seit Jahren ein Aktivposten beim Drittligisten TSG Kaiserslautern und nutzte das DM-Qualifikationsturnier für einen Favoritensieg. Der Schüler am Deutschend Tischtennis-Internat in Düsseldorf bewältigtet in diesem Jahr bereits eine große Herausforderung. Köhler, der mit Magdalena Hübgens Bruder Mathias in diesem Jahr bei den nationalen U18-Titelkämpfen Zweiter im Doppel wurde, legte Mitte Juni sein Abitur ab und steht nun vor einem ganz neuen Lebensabschnitt. Köhler spielt zwar auch in der nächsten Saison für die TSG, wird jedoch im Sommer nach Grünwettersbach ziehen, wo er leben und mit dem Kader des Bundesligisten ASV Grünwettersbach trainieren wird. Der 18-Jährige hat klare Vorstellungen über seine Zukunft: „Ich gebe mir ein Jahr, um in Grünwettersbach zu schauen, wie die weitere sportliche Entwicklung verläuft. Geplant ist aber, nach dem einen Jahr in Karlsruhe mit einem Studium der Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Sportmanagement zu beginnen.“ Zu den Deutschen Meisterschaften nach Saarbrücken reist Köhler mit keinen allzu hohen Erwartungen an: „Es wird von Beginn an direkt im K.-o.-System gespielt, dadurch werde ich wohl schon sehr früh auf einen der Topgesetzten treffen. Ich freue mich auf jeden Fall, bei der DM an den Start zu gehen. Es sind viele unserer Stars dabei und es wäre eine Ehre, gegen einen von ihnen in einem offiziellen Wettkampf antreten zu können.“

Tickets gibt es noch

Saarbrücken wird zum insgesamt vierten Mal nach 1974, 1985 und 1998, als Timo Boll seinen ersten von insgesamt 13 DM-Titel gewann, Schauplatz von Deutschen Meisterschaften sein.  Der diesjährige Austragungsort, die Hermann-Neuberger-Sportschule, ist auch das Spiellokal des 1. FC Saarbrücken TT für einige seiner TTBL- und Champions-League-Partien.

Wer beim nationalen Highlight, wenn im Einzel, Doppel und Mixed Deutschlands beste Spielerinnen und Spieler gesucht werden, sicher dabei sein will, sollte sich beeilen. Die Tageskarte für einen Sitzplatz kostet regulär 22 Euro (ermäßigt 17 Euro), für einen Stehplatz 12 Euro. Wochenend-Tickets gibt es für 40 Euro (Sitzplatz) und 20 Euro (Stehplatz). In der Halle herrscht freie Sitzplatzwahl.

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